Prolog
Die Kirchentür stand offen, wie schon bei ihrem letzten Besuch an jenem Morgen, als Bet die Kirche verlassen hatte.
Sie schritt den Gang hinauf, wie sie es achtundzwanzig Jahre zuvor als Braut getan hatte, obwohl sie heute ihre geblümte Schürze und ein Paar gute, feste Arbeitsschuhe trug und nicht das Hochzeitskleid ihrer Mutter. Und der einzige Mann, der am Altar auf sie wartete, war Reverend Kenneth Riley, und jeder wusste, dass er sich nicht im Geringsten für Frauen interessierte.
Als Bet sich näherte, huschte ihr Blick umher. Es gab so viel zu bedenken, so viele Aufgaben, die sie auf keinen Fall vergessen durfte. Ganz zu schweigen von den Dingen, die sie einpacken musste. Die Vasen. Die Gartenschere. Sogar die Teetassen und den Wasserkocher auf dem Tablett in der Ecke der Sakristei. Das Tablett selbst, natürlich. Die Streichhölzer. Das Päckchen Tee, die Löffel, den Zucker. Die Schürze, die sie hinter der Tür aufgehängt hatte, für den Fall, dass sie mal eine neue brauchte.
Sie nickte Reverend Riley knapp zu, unfähig, ihm zu verzeihen, wie es jeder gute Christ tun sollte, denn schließlich war es seine Aufgabe gewesen, die Kirche am Leben zu erhalten, ihre Türen offen zu halten. Und jetzt waren sie hier, einfach …
Sie kam nicht weiter, ihre Gedanken wurden von den Geräuschen hinter ihr unterbrochen. Ein Getrappel von Füßen, das näher kam, aber auch etwas anderes, etwas fast Melodisches.
Eine höchst unchristliche Wut erfasste sie, als sie sich umdrehte und sah, wie sie in ihrem Kielwasser in die Kirche kamen: die Sucher des Lichts. Sie ballte die Hände an den Seiten und holte tief Luft.
Kenneth Riley kam jetzt nach vorn, und hinter ihm stützte sich Miss Marriott, eine ältere Dorfbewohnerin, schwer auf den Arm ihres Dienstmädchens Doris und sah äußerst verstört aus. Doris selbst wirkte sehr schockiert und bestürzt über das, was da geschah. In der Nähe befand sich eine andere ältere Frau, Miss Didsbury, ganz offensichtlich wütend, ihre dünnen Lippen so fest aufeinander gepresst, dass sie an den Enden weiß waren. Clive Barton und einige andere Dorfbewohner standen in der Nähe der Tür zur Sakristei und beobachteten ebenfalls, wie sich die Gruppe näherte.
Die Eindringlinge, die noch immer in Bewegung waren, kamen durch die Tür und schwenkten ihre Weihrauchstäbchen und Tamburine. Ihre Gewänder streiften den Boden, während sie sich näherten, Blumengirlanden hingen um ihre Hälse, und auch Perlen in allen möglichen Formen, Größen und Farben.
Sie sangen bereits, aber nicht ein Lied göttlichen Ursprungs, sondern ein Lied der Erde, der Tiefen, der Jahreszeiten und der Sterne. Unbewusst wichen die Dorfbewohner zurück und machten der Gruppe Platz, damit diese sich dem Altar nähern konnte, wo sie ihre Instrumente abstellten und sich im Schneidersitz vor den Altar setzten, als ob es ihr Raum wäre und keiner der anderen. Dann trat ihr Anführer, Tristan Summers, nach vorn, positionierte sich dort und hob seine Hand. Die Sucher hörten auf zu singen und summten einen einzigen nachdenklichen, leisen Ton.
Und er begann zu verkünden:
„Hier ist eine Schuld, die noch nie gereinigt wurde. Eine Seele ist hier, die nie betrauert wurde. Ein Geist, der nicht befreit wurde, brütet in den Pforten der Zwischenwelt, unfähig, sie zu verlassen oder zu betreten, sondern gefangen in den Jahren unserer Zeit und in unbekannten Zeiten. Lasst den Unbeanspruchten frei werden, lasst den Unbeanspruchten in die Herde zurückgebracht werden.“
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